Ruhezeit-Rechner Gastronomie

Ruhezeit zwischen Schichten prüfen, bevor der Plan rausgeht.

Prüfe, ob zwischen Spät- und Frühschicht genug Zeit liegt - inklusive Gastro-Ausnahme, Ausgleichshinweis und U18-Regel.

ArbZG § 511-Stunden-Regel10 h Gastro-Ausnahme12 h Ausgleich
Ruhezeit prüfen
  • ArbZG §5
  • Gastro-Ausnahme
  • Ohne Registrierung

Schichtübergänge eingeben

Dieses Tool liefert eine schematische Orientierung auf Basis deiner Angaben, typischer Standardfälle und der im Programm hinterlegten gesetzlichen Schwellenwerte (Stand: Mai 2026). Es ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Besonderheiten des Einzelfalls, Tarifverträge, Sozialversicherungsausnahmen, steuerliche Merkmale und aktuelle Rechtsprechungs- oder Behördenlinien können unberücksichtigt bleiben. Für die Prüfung des konkreten Falls empfehlen wir die Konsultation eines Rechtsanwalts oder Steuerberaters.

So prüft der Ruhezeit-Checker

ArbZG § 5 Abs. 1 + Abs. 2

  1. Schichtende der Vorschicht erfassen

    Tatsächliches Arbeitsende – nicht der geplante Schichtschluss.

  2. Schichtbeginn der Folgeschicht erfassen

    Tatsächlicher Arbeitsbeginn der nächsten Schicht.

  3. Differenz gegen Regel-Ruhezeit prüfen

    Standard: 11 h. Gastronomie/Hotellerie nach § 5 Abs. 2 ArbZG: Verkürzung auf 10 h zulässig, sofern eine andere Ruhezeit innerhalb von 4 Wochen auf 12 h verlängert wird.

  4. Ausgleichspflicht im Auge behalten

    Wer 10 h einsetzt, braucht innerhalb von 1 Monat bzw. 4 Wochen einen Ausgleich auf mindestens 12 h.

    Unauffällig, knapp oder Prüfhinweis

Bei Ruhezeitverstößen können Bußgelder bis 30.000 EUR nach ArbZG § 22 in Betracht kommen; bei Vorsatz oder beharrlicher Wiederholung auch § 23 ArbZG.

Wann der Ruhezeit-Checker hilft

Klassische Gastro-Konstellationen.

  1. Spätschicht → Frühschicht prüfen

    Klassischer Closer-Opener-Konflikt: 23:00 Uhr Schluss, 6:00 Uhr Frühdienst — reicht das?

  2. Geteilte Schicht (Splitschicht) prüfen

    Mittagsbetrieb + Abendservice: Pause zwischen den Blöcken zählt nicht als Ruhezeit.

  3. Gastro-Ausnahme nach § 5 Abs. 2 nutzen

    Verkürzung auf 10 h dokumentieren — Ausgleich auf mindestens 12 h innerhalb von 1 Monat bzw. 4 Wochen einplanen.

  4. Schichtplan vor Versand prüfen

    Vor dem Versand des Wochenplans prüfen, ob zwischen aufeinanderfolgenden Schichten Ruhezeit-Hinweise auftreten.

Ruhezeit in der Gastronomie: Was das Arbeitszeitgesetz vorschreibt

Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten gehört zu den häufigsten Stolperfallen in der Gastronomie. Geteilte Dienste, Spätschichten am Wochenende und kurzfristige Dienstplanänderungen führen regelmäßig dazu, dass die gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Ruhezeit unterschritten wird — oft ohne dass es dem Betrieb bewusst ist. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) regelt die Ruhezeit in §5. Bei Verstößen können je nach Einzelfall Bußgelder und im Wiederholungsfall sogar strafrechtliche Konsequenzen in Betracht kommen.

Ruhezeit auf einen Blick

  • Grundregel: mindestens 11 Stunden ununterbrochene Ruhezeit (ArbZG §5 Abs. 1)
  • Gastro-Ausnahme: Verkürzung auf 10 Stunden möglich (ArbZG §5 Abs. 2 Nr. 2)
  • Ausgleichspflicht: verkürzte Ruhezeit muss innerhalb eines Kalendermonats oder 4 Wochen durch mindestens 12 Stunden Ruhezeit ausgeglichen werden
  • Jugendliche: mindestens 12 Stunden Ruhezeit (JArbSchG §13)
  • Bußgeld bis 30.000 EUR (§22), bei Vorsatz/Wiederholung Straftat (§23)

Die 11-Stunden-Regel: ArbZG §5 Abs. 1

Nach §5 Abs. 1 ArbZG müssen Arbeitnehmer nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden haben. Die Ruhezeit beginnt erst, wenn die Arbeitszeit tatsächlich endet — nicht wenn die Schicht laut Plan endet. Überstunden, Aufräumarbeiten oder ein letzter Gast, der länger bleibt, verschieben den Beginn der Ruhezeit entsprechend.

Wichtig: Die 11 Stunden müssen ununterbrochen sein. Wird die Ruhezeit durch einen dienstlichen Anruf, eine Rückfrage oder einen Einsatz unterbrochen, beginnt die 11-Stunden-Frist von vorne. Rufbereitschaft gilt grundsätzlich als Ruhezeit — aber nur solange der Arbeitnehmer nicht tatsächlich zur Arbeit herangezogen wird.

Gastronomie-Ausnahme: Verkürzung auf 10 Stunden

ArbZG §5 Abs. 2 Nr. 2 erlaubt in Gaststätten und Beherbergungsbetrieben eine Verkürzung der Ruhezeit um bis zu eine Stunde — also auf 10 Stunden. Diese Ausnahme ist an zwei Bedingungen geknüpft:

Betriebsart
Die Ausnahme gilt für Gaststätten und andere Einrichtungen zur Bewirtung und Beherbergung. Reine Catering-Unternehmen ohne eigenen Gaststättenbetrieb fallen nicht zwingend darunter.
Ausgleichspflicht
Jede Verkürzung muss innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von 4 Wochen durch Verlängerung einer anderen Ruhezeit auf mindestens 12 Stunden ausgeglichen werden. Ohne dokumentierten Ausgleich gilt die Verkürzung als nicht ordnungsgemäß.
In der Praxis nutzen viele Gastronomiebetriebe die Verkürzung regelmäßig, dokumentieren aber den erforderlichen Ausgleich nicht. Das ist einer der häufigsten Befunde bei Kontrollen durch die Gewerbeaufsicht. Tipp: Halte im Dienstplan fest, an welchem Tag der 12-Stunden-Ausgleich stattfindet.

Geteilte Schichten: Ein Klassiker in der Gastronomie

Geteilte Dienste — zum Beispiel Mittagsservice von 11:00 bis 14:30 Uhr und Abendservice von 17:30 bis 23:00 Uhr — sind in der Gastronomie weit verbreitet. Für die Ruhezeit gilt dabei ein wichtiger Grundsatz: Die Unterbrechung zwischen den Schichtteilen ist keine Ruhezeit im Sinne von §5 ArbZG, da die tägliche Arbeitszeit noch nicht „beendet" ist.

Die Ruhezeit von 11 (bzw. 10) Stunden beginnt erst nach dem letzten Schichtteil des Tages. Endet der Abendservice um 23:00 Uhr und beginnt der Mittagsservice am nächsten Tag um 10:00 Uhr, stehen nur 11 Stunden Ruhezeit zur Verfügung — gerade so an der Grenze. Die Gesamtarbeitszeit beider Schichtteile (hier: 8,5 Stunden) zählt zusammen für die Höchstarbeitszeit nach §3 ArbZG.

Sonderregelungen: Jugendliche, Tarifvertrag, Bereitschaftsdienst

Jugendliche unter 18 Jahren (JArbSchG §13)
Für Jugendliche gilt eine erhöhte Ruhezeit von mindestens 12 Stunden nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit. Die Gastronomie-Ausnahme auf 10 Stunden greift hier nicht — die 12-Stunden-Regel des JArbSchG hat Vorrang. Das betrifft insbesondere Auszubildende unter 18.
Tarifvertragliche Abweichungen (ArbZG §7)
ArbZG § 7 sieht Öffnungsklauseln vor, unter denen Tarifverträge eigene Regelungen zur Ruhezeit treffen können. Ob ein Tarifvertrag für deinen Betrieb gilt und welchen Inhalt er hat, hängt von der Tarifbindung ab. Konkrete Verkürzungen sollten mit dem Tarifvertrag bzw. einem Fachanwalt geprüft werden.
Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft
Bereitschaftsdienst (z. B. Nachtportier im Hotel) gilt nach EuGH-Rechtsprechung als Arbeitszeit — die Ruhezeit beginnt erst nach Ende des Bereitschaftsdienstes. Rufbereitschaft gilt als Ruhezeit, solange der Arbeitnehmer nicht tatsächlich eingesetzt wird. Wird er gerufen, beginnen die 11 Stunden von vorne.

Konsequenzen bei Ruhezeitverstößen

Das ArbZG unterscheidet zwischen Ordnungswidrigkeit und Straftat:

Konsequenzen bei Ruhezeitverstößen

KategorieDetails
Ordnungswidrigkeit (§22 Abs. 1 Nr. 3)Bußgeld bis 30.000 EUR
Straftat (§23)Freiheitsstrafe bis 1 Jahr oder Geldstrafe
Voraussetzung §23Vorsätzliche Gesundheitsgefährdung oder beharrliche Wiederholung
PraxisJe nach Einzelfall sind Bußgelder möglich.
VersicherungsrechtBG-Regress bei Arbeitsunfall nach Ruhezeitverstoß möglich
Kontrollen durch die Gewerbeaufsicht erfolgen oft anlassbezogen — etwa nach Beschwerden von Mitarbeitern oder nach Arbeitsunfällen. Seit dem EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung (2019) und der BAG-Entscheidung (2022) sind Arbeitgeber grundsätzlich verpflichtet, Arbeitszeiten systematisch zu erfassen. Fehlende Dokumentation kann als eigenständiger Verstoß gewertet werden.

Typische Fallstricke in der Gastronomie

Spätschicht Freitag/Samstag → Frühschicht
Schichtende 01:00 Uhr, nächster Schichtbeginn 10:00 Uhr = nur 9 Stunden Ruhezeit. Selbst mit Gastro-Ausnahme unter der Mindestgrenze.
Aufräumen nach Ladenschluss
Die Ruhezeit beginnt nicht um 23:00 Uhr (Ladenschluss), sondern wenn der letzte Handgriff getan ist. 30 Minuten Aufräumen verschiebt den Ruhezeitbeginn auf 23:30 Uhr — und aus 11 Stunden werden plötzlich 10,5.
Gastro-Ausnahme ohne Ausgleich
Viele Betriebe verkürzen die Ruhezeit regelmäßig auf 10 Stunden, dokumentieren den Ausgleich auf 12 Stunden aber nicht. Ohne Nachweis kann jede einzelne Verkürzung als Verstoß gewertet werden.
Kurzfristige Dienstplanänderungen
Ein Mitarbeiter springt ein und arbeitet abends bis 23:00 Uhr — am nächsten Tag steht er für 09:00 Uhr im Plan. Die Ruhezeitprüfung wird bei Ad-hoc-Änderungen oft vergessen.

Dokumentationspflicht: Arbeitszeit aufzeichnen

Für die Gastronomie verpflichtet § 17 MiLoG Arbeitgeber, Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit aufzuzeichnen – spätestens 7 Tage nach dem Arbeitstag. § 16 Abs. 2 ArbZG ergänzt dies für die über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende Zeit. Nach dem BAG-Urteil vom September 2022 (1 ABR 22/21) besteht darüber hinaus eine Pflicht zur systematischen Erfassung der gesamten Arbeitszeit. Für die Ruhezeit bedeutet das: Beginn und Ende jeder Schicht müssen dokumentiert werden, sodass die Einhaltung der 11-Stunden-Regel (bzw. 10 Stunden mit Ausnahme) nachvollziehbar ist.

Die Aufzeichnungen müssen mindestens 2 Jahre aufbewahrt werden (§ 17 Abs. 2 MiLoG für Gastro, § 16 Abs. 2 ArbZG allgemein). Bei Kontrollen durch die Gewerbeaufsicht oder den Zoll ist fehlende Dokumentation ein eigenständiger Verstoß — unabhängig davon, ob die Ruhezeit tatsächlich eingehalten wurde.

Häufige Fragen zur Ruhezeit

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