Midijob in der Gastronomie: Was er den Arbeitgeber wirklich kostet

Konkrete Zahlen statt Pauschalaussagen: Arbeitgeberanteil, Umlagen, eine Beispielrechnung mit 900 EUR brutto und der ehrliche Kostenvergleich mit dem Minijob, Stand 2026.

Zu den Zahlen

Das Wichtigste in Kürze

  • Pro verdientem Euro kostet dich ein Midijobber in der Regel nicht mehr als ein Minijobber: Der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung startet knapp über der 603-EUR-Grenze bei ca. 28 % und sinkt bis 2.000 EUR gleitend auf den regulären Satz von ca. 21 %. Beim Minijob zahlst du pauschal rund 31 %.
  • Beispiel: Eine Aushilfe mit 900 EUR brutto kostet dich im Midijob gesamt ca. 1.150 EUR im Monat. Dieselbe Lohnsumme über zwei Minijobs à 450 EUR kostet ca. 1.180 EUR, bei doppeltem Verwaltungsaufwand.
  • Die große Beitragsentlastung im Übergangsbereich liegt beim Arbeitnehmer: stark reduzierte AN-Beiträge nahe der 603-EUR-Grenze, volle Beiträge erst bei 2.000 EUR und voller Sozialversicherungsschutz ab dem ersten Euro.

Was kostet ein Midijobber den Arbeitgeber?

Ein Midijob ist eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Übergangsbereich nach § 20 Abs. 2 SGB IV: zwischen 603,01 und 2.000 EUR Monatsentgelt (Stand 2026). Die Untergrenze ist dynamisch an die Minijob-Grenze gekoppelt und steigt mit jedem Mindestlohnschritt automatisch mit. Die Obergrenze von 2.000 EUR ist gesetzlich fixiert.

Als Arbeitgeber zahlst du im Midijob deinen Anteil zur Sozialversicherung, also Rentenversicherung (9,3 %), Arbeitslosenversicherung (1,3 %), Krankenversicherung (7,3 % plus halber Zusatzbeitrag, im Schnitt ca. 1,45 %) und deinen Pflegeversicherungsanteil (ca. 1,8 %). Zusammen sind das rund 21 % des Bruttolohns. Im Übergangsbereich kommt eine Besonderheit dazu: Seit der Reform zum Oktober 2022 ist der Arbeitgeberanteil direkt über der 603-EUR-Grenze auf ca. 28 % angehoben, also auf das Niveau der Minijob-Pauschalen, und schmilzt bis 2.000 EUR gleitend auf den regulären Satz ab. Damit gibt es keinen Sprung, an dem sich ein Lohn knapp über der Minijob-Grenze für dich plötzlich rechnet oder nicht rechnet.

Dazu kommen die Posten, die in fast jeder Kalkulation vergessen werden: die Umlagen U1 (Lohnfortzahlung, je nach Krankenkasse und Erstattungssatz ca. 0,9–4,9 %), U2 (Mutterschutz, ca. 0,2–0,8 %) und die Insolvenzgeldumlage (0,15 %) sowie der Beitrag zur Berufsgenossenschaft (BGN, abhängig vom Gefahrtarif). In Summe liegen deine Lohnnebenkosten im Midijob je nach Entgelthöhe, Krankenkasse und Gefahrtarif bei etwa 24 bis 31 % des Bruttos, mit fallender Tendenz, je näher der Lohn an 2.000 EUR rückt. Die komplette Kostenkette inklusive aller Umlagen rechnet dir der Personalkosten-Rechner im Detail vor.

Beispielrechnung: Aushilfe mit 900 EUR brutto

ca. 225 EUR

AG-Anteil Sozialversicherung

gleitender Satz, ca. 25 % von 900 EUR

ca. 25 EUR

Umlagen U1/U2/Insolvenzgeld

je nach Krankenkasse ca. 2–3 %

ca. 1.150 EUR

Gesamtkosten pro Monat

gerundet, ohne Berufsgenossenschaft

Alle Werte sind gerundete Orientierungswerte mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag. Den exakten Betrag für deinen Fall liefert die Lohnabrechnung oder vorab der offizielle Übergangsbereichsrechner der Deutschen Rentenversicherung (Link in den Quellen unten).

Midijob vs. Minijob: der Kostenvergleich

Viele Gastronomen halten den Minijob reflexhaft für die billigste Beschäftigungsform. Pro verdientem Euro stimmt das nicht. Im Minijob zahlst du pauschal rund 31 % Abgaben: 13 % Krankenversicherung, 15 % Rentenversicherung, 2 % Pauschalsteuer plus ca. 1 % Umlagen an die Minijob-Zentrale. Im Midijob startet dein Abgabensatz zwar auf demselben Niveau (ca. 28 % plus Umlagen), sinkt aber mit jedem Euro mehr Lohn. Bei 900 EUR liegt der SV-Anteil schon bei ca. 25 %, bei 2.000 EUR beim regulären Satz von ca. 21 %.

Gleiche Lohnsumme, zwei Modelle: 900 EUR brutto pro Monat

PositionZwei Minijobs (2 × 450 EUR)Ein Midijob (900 EUR)
Bruttolohn gesamt900 EUR900 EUR
AG-Abgabensatzpauschal ca. 31 %gleitend ca. 25 %
AG-Abgaben (SV + Umlagen)ca. 280 EURca. 250 EUR
Gesamtkosten pro Monatca. 1.180 EURca. 1.150 EUR
SV-Schutz der Mitarbeiterkein eigener Schutzvoll, ab dem ersten Euro
Verwaltung2 Abrechnungen, 2 × Grenze überwachen1 Abrechnung

Aufs Jahr gerechnet sind das rund 360 EUR Unterschied zugunsten des Midijobs, bei identischer Lohnsumme. Dazu kommen die weichen Kosten des Minijob-Modells: zwei Personen einarbeiten, zwei Verdienstgrenzen im Blick behalten, zwei Ausfallrisiken. Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Die U1-Umlage für Midijobber richtet sich nach deiner Krankenkasse (ca. 0,9–4,9 %), während die Minijob-Zentrale nur 0,8 % verlangt. Bei einem sehr hohen U1-Satz schrumpft der Kostenvorsprung des Midijobs. Er kippt aber selbst dann kaum ins Gegenteil, weil der gleitende SV-Satz mit steigendem Lohn weiter fällt.

Was der Arbeitnehmer davon hat

Der eigentliche Konstruktionszweck des Übergangsbereichs liegt auf der Arbeitnehmerseite, und das ist für dich als Arbeitgeber ein echtes Argument im Bewerbungsgespräch. Ab 603,01 EUR ist dein Mitarbeiter in allen vier Zweigen versichert: Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Anders als im Minijob entsteht damit ein eigener Krankenversicherungsschutz inklusive Krankengeld ab der siebten Krankheitswoche, es laufen volle Rentenansprüche auf, und im Fall einer Kündigung besteht Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Das Beste daran für deine Mitarbeiter: Sie zahlen dafür zunächst fast nichts. Die Beiträge des Arbeitnehmers werden im Übergangsbereich auf einer reduzierten Basis berechnet. Direkt über der 603-EUR-Grenze liegt der AN-Abzug nahe null und steigt dann gleitend an. Erst bei 2.000 EUR zahlt der Arbeitnehmer den vollen Beitragsanteil. Trotz der reduzierten Beiträge werden die Rentenansprüche aus dem vollen Entgelt berechnet. Die exakte Formel dahinter ist sperrig; verbindlich nachrechnen kannst du sie mit dem offiziellen Übergangsbereichsrechner der Deutschen Rentenversicherung oder über die Minijob-Zentrale.

Konkret heißt das: Wer im Midijob 900 EUR brutto verdient, bekommt davon deutlich mehr ausgezahlt als bei voller Beitragslast und ist trotzdem komplett abgesichert. Für Servicekräfte, die mehr als die Minijob-Stunden arbeiten wollen, ist das fast immer das bessere Paket als zwei parallele Minijobs bei verschiedenen Betrieben, die zusammengerechnet ohnehin sozialversicherungspflichtig würden.

Wann sich der Wechsel vom Minijob zum Midijob lohnt

  1. 1

    Du brauchst regelmäßig mehr als 603 EUR pro Monat

    Beim Mindestlohn von 13,90 EUR/h sind im Minijob nur noch ca. 43 Stunden pro Monat möglich. Das reicht oft nicht einmal für zwei feste Wochenend-Schichten plus eine Vertretung. Ein Midijob mit 900 EUR erlaubt ca. 65 Stunden pro Monat, bei 1.200 EUR sind es ca. 86 Stunden.

  2. 2

    Dein Mitarbeiter braucht eigenen Sozialversicherungsschutz

    Wer nicht familienversichert ist oder Rentenansprüche aufbauen will, ist im Minijob strukturell schlechter gestellt. Der Midijob liefert vollen Schutz bei reduzierten AN-Beiträgen, ein Argument, mit dem du gute Leute halten kannst.

  3. 3

    Du willst das Nachzahlungsrisiko an der Grenze loswerden

    Wird die 603-EUR-Grenze planbar und regelmäßig überschritten, wird der Minijob rückwirkend sozialversicherungspflichtig. Die Nachforderung trägt dann überwiegend der Arbeitgeber. Wer dauerhaft knapp an der Grenze plant, fährt mit einem sauber angemeldeten Midijob ruhiger.

Die Umstellung selbst ist unspektakulär: Sie erfolgt in der Regel zum Monatswechsel, die Meldung geht statt an die Minijob-Zentrale an die Krankenkasse des Mitarbeiters, und die Lohnsteuer läuft über ELStAM statt über die 2-%-Pauschale. Prüfe vorher zwei Dinge: ob der effektive Stundenlohn nach der Umstellung noch über dem Mindestlohn 2026 liegt (13,90 EUR/h, auch bei Zuschlägen und unbezahlter Vorbereitungszeit) und ob dein Minijobber die Grenze überhaupt schon reißt. Das zeigt dir der Minijob-Grenz-Check mit Jahres-Hochrechnung.

Nicht lohnen wird der Wechsel dagegen, wenn der Bedarf dauerhaft unter 43 Stunden pro Monat bleibt und der Mitarbeiter anderweitig versichert ist, etwa Studierende in der Familienversicherung oder Rentner. Dann bleibt der Minijob das einfachere Modell, und das gesparte Stück Verwaltung wiegt die paar Euro Abgabendifferenz auf.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Stand: Juni 2026. Alle Angaben sorgfältig recherchiert. Sie ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen zu Midijob-Kosten